Warum Introvertiertheit nichts mit Schüchternheit zu tun hat

Gepostet von am Apr 27, 2018 in Introvertiertheit | Keine Kommentare

Warum Introvertiertheit nichts mit Schüchternheit zu tun hat

Als Introvertierte werden wir häufig mit verschiedenen Missverständnissen konfrontiert. Eine der häufigsten ist, dass Introvertiertheit mit Schüchternheit gleichgesetzt wird.

Dabei hat Introvertiertheit nichts mit Schüchternheit zu tun.

In diesem Naturimpuls erzähle ich Dir, warum Introvertiertheit nichts mit Schüchternheit zu tun hat und wodurch dieses Missverständnis entsteht.

 

Was ist Schüchternheit?

Schüchternheit wird allgemein als „Scheue“ und einer „Hemmung anderen gegenüber“ bezeichnet. Es handelt sich um eine Reaktionsweise, die in sozialen Situationen auftritt, vor allem bei der Begegnung mit unbekannten oder nicht vertrauten Personen. Dabei ist die vordergründige Angst der schüchternen Person, dass die anderen Menschen sie nicht mögen oder sie ablehnen könnten. Deswegen meiden schüchterne Menschen auch so gut es geht Situationen, in denen sie auf fremde Menschen treffen könnten. Außerdem meiden sie auch Situationen, in denen sie im Mittelpunkt stehen, wie z.B. das Halten eines Vortrags oder die grundsätzliche Beteiligung am Gruppengespräch.

 

Introvertiertheit hat nichts mit Schüchternheit zu tun

Bei Introvertierten ist es nicht die Angst vor fremden Personen oder vor Ablehnung, die uns davon abhält, uns großartig an Gruppenaktivitäten zu beteiligen. Die meisten Introvertierten werden durch den Kontakt mit vielen Menschen, die vielleicht auch noch sehr laut sind, energetisch sehr ausgelaugt. Der Umgang mit vielen Menschen ermüdet uns einfach sehr schnell. Deswegen findet man uns häufig eher als Beobachter am Rande solcher Gruppen.

Außerdem beteiligen wir uns auch erst dann an Gesprächen, wenn wir wirklich etwas zu sagen haben. Da wir jedoch meistens lange über etwas nachdenken und alle Möglichkeiten in unserem Kopf hin und her bewegen, kann es durchaus vorkommen, dass das Thema einer Gruppenunterhaltung bereits schon weiter fortgeschritten ist, bevor wir überhaupt unsere Gedanken soweit sortiert haben, um unsere Meinung kund zu tun. Deswegen erlebt man auch uns Introvertierte in Gruppen eher als ruhig.

Bei diesen oben beschriebenen Eigenschaften von Introvertierten handelt es sich übrigens um zwei der drei Hauptmerkmale von Introvertierten. Wenn Du noch mehr dazu erfahren möchtest, dann lese einen meiner früheren Naturimpulse: 3 Hauptmerkmale von Introvertierten

 

Warum wird Introvertiertheit mit Schüchternheit verwechselt?

Aufgrund dieser beiden Eigenschaften (schnelle Überstimulation durch viele Menschen und laute Gespräche und lange und genaue Vor-Denkzeit von Introvertierten) kann natürlich schon der Verdacht aufkommen, dass es sich bei einem introvertierten Menschen um jemanden handelt, der schüchtern ist. Außerdem kommt auch noch hinzu, dass wir Introvertierte uns in der Rolle des Beobachters und auch mit uns alleine äußerst wohl fühlen. Daher nehmen wir in Gruppensituationen grundsätzlich eher eine Position am Rand dieser Gruppe an. Damit schützen wir uns zudem vor einem Zuviel an Stimulation.

Gerade Extrovertierte, die ja Energie tanken, indem sie sich unter Menschen begeben und sich außerdem gerne und viel unters Volk mischen, um genügend Stimulation zu erfahren, verstehen unser Verhalten oft nicht. Wenn sie jemanden sehen, der am Rand sitzt oder steht, sich nicht unterhält und auch keine Anstalten macht, sich zu einer Gruppe dazuzugesellen, dann liegt das für sie daran, dass der-/diejenige sich nicht traut, mitzumischen. Und schon wird so jemandem der Stempel „Schüchtern“ aufgedrückt.

 

Gibt es auch schüchterne Introvertierte?

Ja, die gibt es durchaus.

Es wird angenommen, dass Schüchternheit zum Teil angeboren ist, aber auch zum Teil in der Kindheit erworben wird. Und das passiert vor allem dann, wenn ein Kind häufig Kritik oder Ablehnung erfährt.

Wahrscheinlich haben die meisten von uns Introvertierten als Kind Kritik oder Ablehnung erfahren, da wir nicht dem (extrovertierten) Ideal entsprochen haben. Und je nachdem wie stark diese Kritik oder Ablehnung war bzw. von wem sie kam (Elternteil, entfernter Familienangehöriger etc.), kann sich dann auch eine Schüchternheit ausgebildet haben.

 

Wie kann ich nun unterscheiden, ob ich Introvertiert oder auch Schüchtern bin?

Klipp und klare Abgrenzungen gibt es hierbei nicht. Allerdings können Dir die folgenden Merkmale bei der Unterscheidung helfen:

Wenn Du jemand bist, der/die große Menschenansammlungen meidet, da

  • Dich der Umgang mit vielen Menschen energetisch auslaugt
  • Du mit einem Zuviel an Menschen nicht klarkommst, da dort häufig viel, laut und zudem durcheinander gesprochen wird und Dich das überfordert und ermüdet

dann bist Du introvertiert.

Wenn Du jedoch

  • Dir bei der Begegnung mit anderen Menschen sehr unsicher bist
  • Dir bei der Begegnung mit fremden Menschen immerzu Gedanken darum machst, dass der andere schlecht über Dich denken könnte
  • bei der Begegnung mit anderen Menschen körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Schweißausbrüche, Mundtrockenheit etc. zeigst, v.a. wenn Du im Mittelpunkt stehst (z.B. beim Halten einer Präsentation)

und du aufgrund dessen, Situationen, in denen Du auf viele und unbekannte Menschen treffen könntest, eher vermeidest,

dann liegt bei Dir auch eine Schüchternheit vor.

 

Sollte ich etwas dagegen tun?

Was die Introvertiertheit betrifft, so ist meine Antwort ganz klar:

Nein!

Introvertiertheit ist keine Krankheit oder ein Problem, welches Du behandeln kannst, sondern eine Gabe! Introvertierte Menschen haben viele Talente und Stärken, die unbedingt gebraucht werden. Es gab und gibt viele herausragende Persönlichkeiten, die introvertiert waren/sind und die aufgrund dieser Introvertiertheit besondere Leistungen vollbracht haben.

Das werde ich in späteren Naturimpulsen noch aufgreifen.

Bezüglich der Schüchternheit, ist meine Antwort:

Es kommt darauf an…

Wenn Du das Gefühl hast, dass Dir Deine Schüchternheit im Weg steht, Du eventuell berufliche oder private Ziele hast, bei denen Dich Deine Schüchternheit blockiert, dann solltest Du auf jeden Fall etwas dagegen tun. Z.B. gibt es in Deiner Stadt bestimmt Coaches oder Trainer, die Dir helfen können, frei vor einer Gruppe zu sprechen (sofern das Dein Ziel ist). Oder bei denen Du lernst, Deine körperlichen Symptome unter Kontrolle zu bekommen, wenn Du mit Dir fremden Personen reden musst.

Solltest Du also introvertiert und schüchtern sein und etwas gegen die Schüchternheit tun wollen, dann beachte bitte auch hier Dein Rückzugsbedürfnis (um wieder Energie zu tanken) und nimm Dir nicht zu viel vor. Plane Dir von vorneherein genug Zeit ein, damit Du, neben den notwendigen Auszeiten, auch ausreichend Möglichkeiten hast, über das Erlernte zu reflektieren und nachzudenken.

Das ist für uns Introvertierte ganz wichtig!

Damit wünsche ich Dir jetzt viele entspannte Natur-Momente,
Heidemarie

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