Sind Introvertierte tatsächlich so langsam? Oder: Warum Du Dir als Introvertierte Deine Zeit nehmen solltest

Gepostet von am Aug 24, 2018 in Introvertiertheit und Natur | Keine Kommentare

Sind Introvertierte tatsächlich so langsam? Oder: Warum Du Dir als Introvertierte Deine Zeit nehmen solltest

Denkst Du auch manchmal, dass Du zu langsam bist? Dass Du zum Beispiel schneller zu einem Entschluss kommen solltest oder schneller bei einer Diskussion etwas sagen könntest?

Wir Introvertierte sind langsamer als Extrovertierte. Das hat seinen Grund und ist auch gut, so wie es ist!

Warum das so ist und warum Du Dir trotzdem unbedingt Deine Zeit nehmen solltest, erzähle ich Dir in diesem Naturimpuls.

 

Introvertierte haben eine lange Leitung

Das ist tatsächlich wörtlich zu nehmen – denn es ist anatomisch und physiologisch bedingt!

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde herausgefunden, dass das Gehirn für verschiedene Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter, unterschiedliche Leitungsbahnen benutzt. Und wir Introvertierten nutzen vornehmlich eine Bahn, die sehr lang ist.

Das hat seinen Grund darin, dass die kürzeren Bahnen dem Neurotransmitter Dopamin vorbehalten sind. Da wir Introvertierte jedoch sehr empfänglich sind für Dopamin und uns bei einem Zuviel dieses Stoffes schnell überreizt fühlen, haben die Natur und die Evolution es so klug eingerichtet, dass wir bevorzugt den Neurotransmitter Acetylcholin verwenden. Und dieser benutzt die bereits erwähnte längere Leitungsbahn.

Wenn Dir also mal wieder alles zu viel wird und zu schnell geht, verzweifle nicht und ärgere Dich auch nicht über Dich selbst. Sage Dir vielmehr, dass die Natur Dich jetzt gerade vor einer Überreizung schützt.

 

Lass Dich auf die Langsamkeit ein

Außerdem: Ist es denn tatsächlich notwendig, immer und überall auf alles schnell zu reagieren? Und ist es tatsächlich besser, ständig schnell zu reagieren?

Ich meine nicht!

Denn wenn Du Dich mal umschaust und Dich umhörst, wie häufig bekommst Du mit, dass sich zum Beispiel ein (extrovertierter) Kollege darüber beschwert, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben? Damals hat er sich schnell entscheiden müssen. Da sich jedoch alles gut anhörte, hat er zugegriffen. Und das bereut er jetzt.

Oder in Diskussionen: Wie häufig werden bereits diskutierte Sachverhalte wiederholt, nur damit der Betreffende das Gefühl hat, auch etwas beigetragen zu haben? Oder es wird einfach irgendwas gesagt, ohne dass der Betreffende darüber groß nachgedacht hat, nur um zu Wort gekommen zu sein. Was dann meistens in – und jetzt entschuldige bitte meine Wortwahl – absoluten Schwachsinn ausartet…

Denn das ist auch ein Merkmal von uns Introvertierten, was uns leider häufig als Schwäche ausgelegt wird – obwohl es meine Meinung nach eine absolute Stärke ist: Wir sagen nur etwas, wenn wir wirklich etwas zu sagen haben! (Die Betonung liegt hier auf dem „wirklich“ 🙂…). Auch sehen wir es nicht ein, etwas zu wiederholen, was beispielsweise in einer Diskussion bereits gesagt worden ist. Und – ganz wichtig – bevor wir etwas sagen, denken wir gründlich darüber nach!

Und gerade beim letzten Punkt können sich einige Extrovertierte meiner Ansicht nach eine Menge von uns abschauen…

 

Alles hat und braucht seine Zeit

Und warum solltest Du Dir nicht Zeit lassen und Dir diese auch nehmen?

Bestimmt hast Du auch einige Beispiele aus Deinem Leben parat, in denen Du Dir nicht genug Zeit genommen hast (vielleicht auch vom Außen gedrängt worden bist) und Du diesen schnell gefassten Entschluss anschließend bereut hast? Und andererseits gibt es bestimmt auch Beispiele, in denen Du Dir für eine Entscheidung viel Zeit gelassen und alles gut durchdacht hast und Du noch jetzt stolz auf das Ergebnis bist.

Daher kann ich nur dafür plädieren: Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Denk über alle möglichen Optionen nach. Schlaf eine Nacht darüber. Aber lass Dich bitte nicht von Deinem Außen zu überstützten Handlungen oder Aussagen verleiten.

Du, als Introvertierte, bist so wie Du bist, und das ist gut so!

 

Auch die Natur nimmt sich ihre Zeit

Wenn Du in die Natur schaust, wirst Du keine Beispiele für ein zu schnelles Handeln finden: Sprießen, wachsen, gedeihen, blühen und auch sterben – alles hat seine Zeit. Das ist auch bei jeder Pflanze, bei jedem Tier unterschiedlich.

Nimm Dir beispielsweise den Efeu: Anstelle es den anderen Pflanzen nachzumachen und im Frühjahr zu blühen, blüht er erst im Oktober. Und seine Früchte kommen erst im Dezember zur Reife.

Oder die Nachtkerze: Sie öffnet ihre Blüten erst in der Dunkelheit. Das ist für sie, für ihre Blüten, die rechte Zeit, um sich zu zeigen.

Und denke nicht, dass Du zu langsam bist. Egal, was für ein Projekt Du vor Dir hast, baue auf eine gute Vorbereitung. Denn die ist ganz häufig das A und O! Du musst nicht sofort und gleich mit Deinem Projekt fertig sein und nach draußen gehen. Lass Dir Deine Zeit damit.

Schau Dir beispielsweise die vielen zweijährige Pflanzen an, zum Beispiel die Königskerze: Diese zeigt ihre wunderschönen Blüten im ersten Jahr ihres Wachstums überhaupt nicht. Da sieht man von ihr nur die Blattrosette. Erst im zweiten Jahr sprießt ihr Stängel, der ab Juli von vielen leuchtend gelben Blüten übersäht ist.

Und auch im Tierreich gibt es viele Beispiele für die rechte Zeit: Den Vogelflug zum Beispiel. Graugänse, Kraniche und noch viele, viele mehr wissen ganz instinktiv, wann es für sie die rechte Zeit ist, in wärmere Gefilde zu fliegen. Und auch Glühwürmchen kannst Du nur zu einer bestimmten Zeit beim Tanzen zuschauen.

Deine Zeit nehmen

 

 

 

 

 

Daher meine Empfehlung: Wenn Du das nächste Mal versuchst bist, Dich Deinem extrovertierten Umfeld anzupassen und eine schnelle Entscheidung zu fällen oder partout etwas zu einer Diskussion beizutragen, tritt einen Schritt zurück und atme erst mal tief durch. Und dann erinnere Dich an die vielen Analogien, die Du in der Natur finden kannst, wenn es um die rechte Zeit geht.

Anschließend versuche bitte, Deine Introvertierten-Persönlichkeit so stehen zu lassen, wie sie ist. Du hast ein Recht so zu sein, wie Du bist, auch wenn Du Deiner Umgebung (und vielleicht auch Dir selber) langsam vorkommst. Denn Du bist nicht langsam. Du bevorzugst es halt, eine Situation oder einen Redebeitrag genau zu durchdenken. Und gerade das fehlt in unserer heutigen Zeit, die immer noch auf das „höher, schneller, weiter, besser“ ausgerichtet ist, sehr!

Deswegen: Introvertierte – traut euch, langsam zu sein!

 

Damit wünsche ich Dir jetzt viele entspannte und langsame Natur-Momente,
Heidemarie

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