Mögen Introvertierte keine Menschen?

Gepostet von am Jun 22, 2018 in Introvertiertheit | Keine Kommentare

Mögen Introvertierte keine Menschen?

Heute möchte ich ein weiteres Missverständnis aufgreifen, womit wir Introvertierte häufig konfrontiert werden: Wir sollen keine Menschen mögen.

Manchmal werden wir sogar als menschenfeindlich oder anti-sozial bezeichnet. Das haben mir einige introvertierte Menschen, die ich bereits auf ihrem leisen Weg begleiten durfte, berichtet.

Dabei sind wir das definitiv nicht. Ganz im Gegenteil!

Warum dieses Missverständnis entstanden ist und sich auch hartnäckig hält, erkläre ich Dir im heutigen Naturimpuls.

 

Sind Introvertierte menschenfeindlich oder gar anti-sozial?

Die Antwort darauf ist ein klares Nein!

Auch wir Introvertierte brauchen Menschen um uns herum. Wir sind schließlich soziale Wesen, die gerne mit anderen interagieren. Was uns jedoch im Wesentlichen von den Extrovertierten unterscheidet, sind die Anzahl an Menschen, mit denen wir zusammen sein möchten, die Dauer dieses Zusammenseins und unser Empfinden nach dem Zusammensein.

 

Woher kommt das Vorurteil, dass Introvertierte menschenfeindlich sind?

Die Mehrheit der Menschen sind extrovertiert (ca. 70 %). Und das Hauptmerkmal der Extrovertierten besteht darin, dass sie ihre Akkus aufladen, indem sie sich unter Menschen begeben und mit ihnen interagieren. Je mehr Menschen um sie herum sind und je länger diese Art der Stimulation dauert, desto besser ist es für viele Extrovertierte. Nach dieser Begegnung oder Situation sind sie dann wieder mit neuer Energie gefüllt und könnten „Bäume ausreißen“.

Das ist bei uns Introvertierten jedoch ganz anders: Dadurch, dass unsere Gehirne in einer anderen Art und Weise funktionieren und wir auch anders auf Botenstoffe wie Adrenalin, Dopamin und Acetylcholin reagieren als extrovertierte Menschen, strengt uns der Umgang mit vielen Menschen sehr an und überreizt uns. Daher ist es für uns Introvertierte wesentlich, dass wir uns Rückzüge und Auszeiten gönnen, in denen wir uns aus den für uns anstrengenden Situationen zurückziehen und das Allein sein suchen. Das ist unsere Art, unsere inneren Energiespeicher aufzuladen, so dass wir hinterher wieder ganz in unserer Kraft sind.

Und da diese unsere (leise) Art so ganz anders ist, als das, wie die Mehrheit der Menschen empfindet, werden wir häufig mit dem Stempel „menschenfeindlich“ oder „anti-sozial“ versehen.

Wenn Du übrigens mehr über die wesentlichen Unterschiede zwischen Introvertierten und Extrovertierten wissen möchtest, dann empfehle ich Dir diesen Naturimpuls: 3 Hauptmerkmale an denen Du erkennst, dass Du introvertiert bist

 

Müssen Introvertierte wegen der Überanstrengung Menschen ganz meiden?

Nein, das natürlich auch nicht! Weder meiden wir Introvertierte andere Menschen (was in vielen Fällen, z.B. auf der Arbeit, ja auch gar nicht möglich ist) noch nehmen wir an keinem sozialen Event mehr teil. Und das sollten wir auch auf gar keinen Fall tun.

Jedoch ist es wichtig und essenziell sich bereits im Vorfeld die benötigten Ruhepausen und Auszeiten einzuplanen und sich eventuell auch vor dem Zusammentreffen schon eine Pause zu gönnen.

Wenn Du also z.B. an einem Samstagabend auf eine Geburtstagsfeier eingeladen bist, bei der Du weißt, dass Du dort von sehr vielen Menschen umgeben sei wirst, halte dir den Sonntag oder zumindest den Sonntagvormittag frei, um Deine Akkus wieder aufzuladen. Und wenn Du weißt, dass Du an einem Tag auf der Arbeit ganz viele Meetings hast, an denen Du auch teilnehmen musst, dann achte darauf, Dir den Abend frei zu halten, damit Du wieder zu neuer Energie kommst.

So achtest du gut auf Dich und beugst damit auch einer möglichen Überstimulation vor.

 

Wenn Introvertierte sich beim Umgang mit Menschen überanstrengt fühlen, haben sie dann überhaupt Freunde?

Diese Frage habe ich mir nicht aus den Fingern gezogen; nein, sie ist mir tatsächlich mal so gestellt worden…

Natürlich haben Introvertierte Freunde. Der Unterschied zwischen den Freunden eines Extrovertierten und eines Introvertierten liegt erneut in der Anzahl der Freunde und auch in der Art der Freunde.

Introvertierte haben häufig nur einen kleinen Freundeskreis, der meistens aus ebenfalls introvertierten Personen besteht. Das wir nur einen kleinen Freundeskreis haben mag auch daran liegen, dass wir, im Gegensatz zu vielen Extrovertierten, stark unterscheiden zwischen Freunden und Bekannten.

Aber wie überall im Leben kommt es bei einem Freundeskreis nicht auf die Größe an 🙂. Für uns Introvertierte ist es viel wichtiger, dass wir mit den richtigen Personen zusammen sind, mit denen wir gute und tiefsinnige Gespräche führen können. Das sind meistens andere Introvertierte. Dann fühlen wir uns wohl, können uns entspannen und sind anschließend auch nicht ganz so erschöpft.

Nichtsdestotrotz werden wir auch nach einem Treffen mit unseren guten Freunden (auch wenn es sich nur um eine Person gehandelt hat) leicht erschöpft sein. Da kann auch das Treffen noch so viel Spaß gemacht haben. Unsere Gehirne sind halt ständig auf „on“ geschaltet, ständig passiert etwas in unseren Köpfen, auch wenn außen wenig los ist. Das ist einfach ein wesentliches Merkmal der Introvertiertheit und kann daher auch nicht so einfach abgelegt werden.

Deswegen ist es für dich als Introvertierten wichtig, dass Du Dir, auch wenn Du Dich „nur“ mit ein oder zwei sehr guten Freunden getroffen hast, Deinen Erschöpfungszustand ansiehst und entscheidest, wie Du Deinen Rückzug gestalten möchtest. Denn der Rückzug bzw. die Auszeit ist auch nach diesem Treffen wichtig für Dich, auch wenn Du wahrscheinlich nicht so erschöpft sein wirst, als wenn Du mit vielen, Dir größtenteils unbekannten Menschen umgegangen wärst.

Es ist daher für Dich als Introvertierten wichtig, gut auf Dich und Deine Bedürfnisse zu achten.

 

Was mache ich, wenn mir jemand vorwirft, menschenfeindlich oder anti-sozial zu sein?

Sowas kann leider passieren… Und es ist ganz natürlich, dass bei den meisten von uns dann erstmal die Frage aufkommt, ob die anderen nicht Recht haben und ob etwas mit uns nicht in Ordnung ist.

Was jetzt jedoch wichtig ist, dass Du zu Dir und Deiner Introvertiertheit stehst und nicht versuchst Dich an die extrovertierte Mehrheit anzupassen. Also, dass Du Dir keine Rückzüge oder Auszeiten mehr erlaubst, weil Du Dir sagst, dass Du Dich nur etwas zusammenreißen musst und es dann schon irgendwie gehen wird.

Denn es geht nicht! Dich in so einer Art und Weise an die extrovertierte Mehrheit anzupassen funktioniert auf Dauer nicht und macht Dich auch nicht glücklich. Eher im Gegenteil: Wenn Du das tust, kann es Dich sogar krank machen, denn Du lebst entgegen Deiner Präferenzen.

Stattdessen solltest Du Dir erlauben, so zu sein, wie Du bist; denn so, wie Du bist, bist Du richtig! Schau Dir an, was (oder auch wer) Dich erschöpft, wobei (und wo) Du wieder neue Energie tanken und Deine Akkus auffüllen kannst. Und dann plane dementsprechend umsichtig. Und letzteres können wir Introvertierten ja aus dem Effeff 🙂.

 

Meine Hilfe für Dich
Wenn Du jetzt partout nicht wissen solltest, wie Du das Alles umsetzen sollst (es ist zugegebenermaßen schon sehr viel, da Du Dich über eine längere Zeit ganz genau beobachten musst), kann ich Dir eine Hilfestellung anbieten: Ich entwickele zurzeit einen Online-Kurs mit dem Titel „Überstimulation adé“. Darin lernst Du in 3 Modulen Deine Stimulationsquellen kennen, erkennst Deinen Bedarf an Auszeiten und Deine Energie-Tankstellen und lernst, wie Du nach diesen Erkenntnissen alles zusammenbringen kannst.

Wenn Du Dich für diesen Online-Kurs interessierst, dann melde Dich für meine wöchentlichen Naturimpulse an (unter diesem Beitrag oder rechts in der grünen Box). In diesen E-Mails erfährst Du als erstes, wenn der Kurs „life“ gegangen ist. Außerdem kannst Du Dir nach der Anmeldung mein kostenfreies Impulseblatt „Kurz-Auszeit für Introvertierte“ herunterladen.

 

Und nun wünsche ich Dir ganz viele entspannte Natur-Momente,
Heidemarie

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