Können sich Introvertierte nicht amüsieren?

Gepostet von am Aug 10, 2018 in Introvertiertheit | 2 Kommentare

Können sich Introvertierte nicht amüsieren?

Häufig wird uns Introvertierten nachgesagt, dass wir uns nicht amüsieren können. Und ebenso häufig bekommen wir zu hören, dass wir doch mal aus uns rausgehen und Spaß haben sollen.

Doch wir Introvertierte amüsieren uns und wir haben auch Spaß, nur anders als Extrovertierte das gewohnt sind.

In diesem Naturimpuls räume ich mit diesem Missverständnis auf.

 

Nun amüsier dich doch mal!

Bestimmt hast Du diesen Satz auch schon des Öfteren gehört. Und genervt die Augen darüber verdreht. Denn der- oder diejenige, der/die das gesagt hat, hat nicht verstanden, dass Du Dich amüsieren kannst, vielleicht sogar gerade eben amüsiert hast, und er/sie das nur nicht als Amüsement ansieht.

Denn wir Introvertierte amüsieren uns bei anderen Sachen als Extrovertierte. Und wir haben bei anderen Sachen Spaß als Extrovertierte.

 

Warum ist das so?

Das hat erneut seinen Grund in der unterschiedlichen Zusammensetzung und der Reaktion unseres introvertierten Körpers auf die ausgeschütteten Botenstoffe. Und diese sind nun mal anders als bei einem Extrovertierten.

Während ein Extrovertierter zum Beispiel bei Großveranstaltungen wie Festivals, bei denen ganz viele Menschen auf einem Haufen anzutreffen sind, erst richtig warmläuft, ist uns Introvertierten das bereits schon zu viel. Auch stürzen sich sehr viele Extrovertierte auf alles, was mit „Action“ zu tun hat, z.B. BungeeJumping, Achterbahn-Fahrten etc. Davor laufen wir Introvertierte eher davon…

Denn in solche Situationen wird bei jedem Menschen, egal ob Extrovertiert oder Introvertiert, ganz viel Adrenalin ausgeschüttet. Und das führt dazu, dass sich die Herzrate erhöht, verstärkt Blut durch den Körper gepumpt und so Zellen und Gewebe mit mehr Glukose, Sauerstoff und dem Neurotransmitter Dopamin beliefert werden.

Bei einem extrovertierten Menschen erzeugt nun dieses mehr an Adrenalin, Glukose, Sauerstoff und Dopamin eine Masse an neuer Energie und wahrer Glücksgefühle. Bei uns Introvertierten dagegen führt die Flut dieser Stoffe dazu, dass wir ermüden und erschöpfen. Und je mehr dieser Stoffe durch unseren Körper toben, desto früher ermüden und erschöpfen wir. Außerdem erfahren wir durch die Neurotransmitter Adrenalin und Dopamin auch nicht die Art von Glück und Wohlgefühle, wie sie Extrovertierte erleben. Deswegen finden wir kein Gefallen an dem Amüsement, mit der die Mehrheit der Menschen Spaß hat.

Wer als Introvertierte/r also auf die Art von „Action“ mitgeht, wie sie Extrovertierte lieben (und brauchen), braucht sich nicht zu wundern, wenn sie/er dabei keinen Spaß empfindet, sondern eher müde und erschöpft wird.

 

Bei was amüsieren sich denn nun Introvertierte?

Wir Introvertierte lieben ja die Stille und eine reizarme Umgebung, da in unseren Köpfen grundsätzlich eh schon so viel passiert, ohne dass wir uns zusätzlicher Reize aussetzen. Außerdem lieben wir Tiefgang, das heißt, wir können lange über etwas reflektieren und nachdenken, uns richtig in eine Situation oder ein Thema eindenken und auch einlassen. Das ist das, was uns Spaß macht und wobei wir aufblühen und Glück erleben.

Zum Beispiel ist es für viele Introvertierte eine wahre Wonne, durch die Natur zu spazieren oder zu wandern, schöne naturbelassene Plätze aufzusuchen und sich dort stundenlang aufzuhalten und alles ganz genau anzuschauen. Warum das so ist, kannst Du hier nachlesen: 4 Gründe, warum die Natur Dir als Introvertierten viel zu bieten hat

Auch sind viele Introvertierte gerne in Museen unterwegs und schauen sich dort stundenlang um, wohingegen ein Extrovertierter meist keine Stunde braucht und dann wieder ganz schnell aus dem Museum entschwindet.

Und wir Introvertierte brauchen auch keine Menschenmassen um uns herum, eher im Gegenteil: Meist fühlen wir uns im kleinen Umfeld, mit ein bis zwei guten Freunden am wohlsten. Und natürlich sind wir auch gerne alleine. Warum wir gerne allein und dabei alles andere als einsam sind, erfährst Du in diesem Naturimpuls: Introvertierte: Gerne allein jedoch dabei nicht einsam

All das sind Sachen, die uns Spaß machen und wobei wir uns amüsieren.

 

Welche Art des Spaß haben ist besser, welche schlechter?

Ich ziehe mir diese Fragen nicht aus den Fingern, nein, die sind mir tatsächlich mal so gestellt worden 🙂 (auch wenn man es nicht glauben mag…).

Auf diese Frage gibt es natürlich keine pauschale Antwort. Denn Fakt ist, dass extrovertierte Menschen diese Art von Spaß, die ich oben beschrieben habe, brauchen. Sie müssen sich tatsächlich ab und zu so richtig „auspowern“, denn nur so erhalten sie neue Energie und erleben das, was man als Glück bezeichnet.

Wir Introvertierte sind dagegen ganz anders: Wir bevorzugen die Stille und nur wenig Außenreize oder Input von außen. Wir amüsieren uns beispielsweise bei einer gemächlichen Wanderung, bei der ganz genauen Betrachtung eines Bildes im Museum, beim Nachdenken über einen zuvor gelesenen Text (ja, auch dabei amüsieren wir uns, auch wenn es sich Extrovertierte häufig nicht vorstellen können 🙂).

Keine dieser beiden Arten Spaß zu haben ist nun schlechter oder besser als die andere oder gar richtig oder falsch. Es kommt immer auf die Person an, die sich amüsieren möchte.

Und dabei kann ein Introvertierter auch tatsächlich mal kurz zu einem Extrovertierten werden und beispielsweise auf ein Rock-Festival gehen oder eine Achterbahn-Fahrt mitmachen. Wesentlich ist nur, dass Du, nachdem Du dieses getan hast, Deine Bedürfnisse heranziehst und genau auf Dich hörst und auf das, was Du dann brauchst. Wenn es Dir noch gutgeht – super! Wenn Du jedoch merkst, dass Du erschöpfst bist und Dir nun doch langsam alles zu viel wird, dann zieh Dich zurück und lade Deine Akkus so auf, wie Du das normalerweise tust.

 

Ich habe hier nur ganz wenige Beispiele beschrieben, bei denen Introvertierte Spaß haben. Vielleicht magst Du kurz in einem Kommentar unten hinterlassen, wobei Du Dich amüsieren und Spaß haben kannst?

Damit wünsche ich Dir jetzt viele entspannte Natur-Momente mit ganz viel Spaß und Amüsement,
Heidemarie

2 Kommentare

  1. Liebe Heidemarie,

    die Frage, wobei ich mich zu amüsieren habe, beschäftigt mich doch immer wieder einmal.

    Wieso möchte ich auf der Weiterbildung nicht jeden Abend mit in die Weinstube gehen? Was habe ich gegen die Gruppe? Will ich mich absondern? Das war ein Beispiel.

    Warum besuche ich nicht mehr Leute und gehe zu Treffen und fahre auf mehr Workshops, obwohl ich so nett bin und mich doch für die Themen und Kreise interessiere? Das werden Extravertierte nie wirklich verstehen, es erscheint ihnen traurig.

    Aber auch ich selbst hadere immer wieder: Wieso macht es mir eigentlich Spaß, auf einen Mittelaltermarkt zu gehen, ich liebe es – aber ich werde davon so schnell müde? Ich bin teils extravertiert und teils introvertiert. Das macht es nicht leicht.

    Glücksgefühle:
    * in ein Thermalbad fahren
    * schreiben, lesen, Ideenbuch führen, bloggen
    * tiefe Gespräche führen
    * etwas Kreatives konzentriert machen und dranbleiben dürfen
    * Entspannungsreisen und Qigong
    * Spazierengehen
    u.v.m.

    Ich kann mich wirklich sehr gut mit deinem Artikel identifizieren!

    Danke für den schönen Blog. 🙂
    Deine Jana

    • Sehr gerne liebe Jana,
      ja, sehr viele von uns Introvertierten hadern damit, dass sie nicht so sind wie Extrovertierte (die ja nun mal die Mehrheit der Menschheit ausmachen), sich für andere Sachen interessieren und diese spaßig und amüsant finden und dann auch schnell erschöpft sind, auch wenn ihnen Sachen Spaß machen – so wie bei dir Mittelaltermärkte… (auf denen findet man mich übrigens auch ).
      Wichtig ist dabei, dass Du Dich nicht kirre machen lässt. Du bist gut, so wie Du bist und als Introvertierte amüsierst Du Dich halt bei anderen Sachen als Extrovertierte. Das ist alles gut und richtig.
      Auch ist wichtig, dass Du Dir immer genug Zeit zur Regeneration gibst, z.B. nach dem Besuch eines Mittelaltermarktes. Ich beispielsweise nehme mir dann immer den Tag danach frei, um mich auszuruhen. Und wenn ich ein ganzes Wochenende auf so einem Markt bin, dann ist natürlich für mich, neben dem freien Tag direkt danach, auch das nächste Wochenende zum Ausruhen und Regenerieren da.
      Liebe Grüße,
      Deine Heidemarie

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.