Ist Introvertiertheit = Hochsensibilität?

Gepostet von am Nov 16, 2018 in Introvertiertheit | Keine Kommentare

Ist Introvertiertheit = Hochsensibilität?

Oftmals wird die Introvertiertheit mit der Hochsensibilität gleichgesetzt. Doch auch wenn beide Ausprägungen eine große Schnittmenge haben und sich in vielem Ähnlich sind, ist es mitnichten weder dasselbe noch das Gleiche.

In diesem Naturimpuls gehe ich näher darauf ein.

 

Wie es zu der Unterscheidung kam

Als Carl Gustav Jung 1921 die Begriffe Extroversion und Introversion definierte, hat er sie nicht rein auf die soziale Komponente beschränkt. Im Laufe der Zeit wurde jedoch gerade der Begriff der Introversion vermehrt ausschließlich auf die soziale Ebene reduziert, und das leider noch in Vermischung mit den Begriffen „unsozial“, „schüchtern“ oder „passiv“, was mit der Introvertiertheit jedoch nichts zu tun hat. Mehr dazu findest Du in diesen beiden Naturimpulsen: Warum Introvertiertheit nichts mit Schüchternheit zu tun hat, Mögen Introvertierte keine Menschen?

Als die Psychologin Elaine Aron 1995 den Begriff der Hochsensibilität einführte, beruhte das vornehmlich auf dem Wunsch, die von Carl Gustav Jung benannten Ausprägungen wieder ihrer eigentlichen Bedeutung zuzuführen. Doch ihre Untersuchungsergebnisse brachten erstaunliche Resultate hervor: Statt wider Erwarten die Vermutung zu verifizieren, dass Introversion gleich Hochsensibilität ist, wurden ca. 30 % der getesteten Hochsensiblen als extrovertiert eingestuft!

Deswegen führte Elaine Aron den Begriff der Hochsensibilität ein und engte gleichzeitig das Konzept der Introversion auf die soziale Komponente ein, was sich in den darauffolgenden Jahren durchgesetzt hat und was meiner Meinung nach auch Sinn macht. Denn sowohl bei der Begleitung von Menschen auf ihrem leisen Weg als auch im Austausch mit einigen anderen Coaches und Berater habe ich festgestellt, dass zwar durchaus die Mehrzahl (meiner Schätzung nach ca. 70 %) der Introvertierten auch Hochsensibel sind, aber es nichtsdestotrotz die 30 % der verbliebenen Introvertierten gibt, die sich nicht unbedingt als Hochsensibel einstufen lassen. Ich gehöre übrigens auch zu diesen 30 %…

 

Was ist nun genau der Unterschied?

Da es zu diesem Thema keine weitreichenden wissenschaftlichen Studien gibt, ist es natürlich sehr schwierig, einen definitiven Unterschied festzumachen. Außerdem gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ausprägungen.

Was ich jedoch in meiner langjährigen Begleitung von introvertierten Menschen festgestellt habe, ist, dass sich Introversion tatsächlich vornehmlich auf die soziale Komponente bezieht, während die Hochsensibilität viele verschiedene Faktoren und sämtliche Sinne einbezieht.

Zum Beispiel ist es für uns Introvertierte sehr herausfordernd, mit einer großen Menschenmenge umzugehen. Dabei beschränkt sich die Herausforderung nicht nur auf die Menschenmenge selber, sondern auch auf die Faktoren, die mit dieser einhergehen, z.B. laute Gespräche, Körperkontakt mit wildfremden Menschen, Small Talk (Gespräche mit wenig bis keinem Inhalt), seltsame Gerüche die von bestimmten Personen ausgehen, wildes Durcheinandergerede und vieles andere mehr.

Für einige Hochsensiblen können diese Faktoren auch herausfordernd sein, jedoch gibt es bei Hochsensibilität noch viele weitere Faktoren, die für die Hochsensiblen sehr belastend sind, die jedoch einem Introvertierten unter normalen Bedingung nichts ausmachen. Dazu zählt zum Beispiel grelles Licht oder starke Gerüche (auch Essensgerüche werden beispielsweise als störend wahrgenommen). Außerem werden einige Speisen und Getränke nicht vertragen (zum Beispiel vertragen sehr viele Hochsensible keinen Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke) oder bestimmte Kleidungsstücke können nicht auf der Haut getragen werden oder die Konsistenz einiger Speisen behagt nicht. (Wobei natürlich nicht jeder Hochsensible auf allen Sinnen gleich stark reagiert; meist sind es 2 oder auch mal 3 Sinne, auf denen besonders fein wahrgenommen wird.) Dazu kommen noch sogenannte unsichtbare Faktoren, wie Frequenzen von Sendetürmen, Handys etc. Außerdem sagen auch die meisten Hochsensiblen, dass sie sehr empathisch sind, also zum Beispiel Stimmungen anderer Menschen sehr stark wahrnehmen oder auch Stimmungen in einem Raum voller Menschen.

 

Introvertiert und Hochsensibel – der individuelle Bewertung ist wichtig

Da wir ja nun mal alles Menschen sind – egal ob introvertiert, hochsensibel oder extrovertiert – kann man auch keine Skala oder einen Maßstab an uns anlegen. Also man kann nicht sagen, ab 50 % ist man Introvertiert oder ab Stufe 10 hochsensibel. Letztendlich sind das auch alles „nur“ Konzepte, die die bestimmten Ausprägungen von uns Menschen erklären sollen.

Dabei ist jedoch Dein eigener individueller Eindruck am wichtigsten. (Bei der Introvertiertheit gibt es meines Erachtens drei Hauptmerkmale, anhand derer sich Introvertierte von Extrovertierten unterscheiden. Wenn dich das interessiert, empfehle ich Dir diesen Naturimpuls: 3 Hauptmerkmale an denen Du erkennst, dass Du introvertiert bist

Was ebenfalls wichtig ist, ist die Erkenntnis, dass weder die Introvertiertheit noch die Hochsensibilität eine Krankheit ist, bei der Du nur das passende Medikament brauchst, damit es Dir wieder gut geht. Oder Du dich halt anpassen musst.

Nein! Introvertiertheit genauso wie die Hochsensibilität sind Ausprägungen, die sich bei jedem Menschen unterschiedlich äußern. Versuche also nicht, diese zu bekämpfen oder sie überkommen zu wollen, denn das funktioniert nicht! Versuche stattdessen lieber, einen für Dich guten und geeigneten Weg zu finden, mit Deiner Introvertiertheit und/oder Deiner Hochsensibilität zu leben.

Denn dass es möglich ist, sowohl mit Introvertiertheit und/oder mit Hochsensibilität ein gutes Leben zu führen, ohne sich zu verbiegen oder zu extrovertieren, beweisen schon sehr viele Menschen. Einige davon, so auch ich, unterstützen andere Menschen auch darin, mit ihrer Introvertiertheit und / oder Hochsensibilität umzugehen. Wenn es dir also trotz allem nicht gelingen sollte, selber Lösungen für Dich und Dein Leben zu finden, so bin ich davon überzeugt, dass Du auch in Deiner Nähe einen guten Coach, Berater oder Wegbegleiter finden wirst, der mit Dir zusammen die für Dich optimale Lösung entwickeln wird.

Und nun wünsche ich Dir ganz viele entspannte Natur-Momente als Introvertierte oder als Hochsensible,
Heidemarie

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.