6 Tipps, um auch auf der Arbeit Deine Introvertiertheit zu berücksichtigen

Gepostet von am Jan 11, 2019 in Introvertiertheit im Job | Keine Kommentare

6 Tipps, um auch auf der Arbeit Deine Introvertiertheit zu berücksichtigen

Sehr viele von uns Introvertierten, vor allem die, die angestellt sind, sehen sich auf der Arbeit vielen Herausforderungen gegenüber: Angefangen bei lauten Kollegen, die zu allem etwas zu sagen haben und Dich als Introvertierte häufig „über-reden“, weiter bei häufigen Teamzusammenkünften, auf denen Du dich einfach unwohl fühlst, bis hin zu der Tatsache, dass Du aufgrund Deiner leisen Art übersehen wirst und dass deine Leistungen nicht gewürdigt werden.

Viele Introvertierte träumen deswegen von einem anderen Job. Doch einen rigorosen Schlussstrich zu ziehen ist nicht so einfach und in vielen Fällen auch nicht einfach so machbar. Außerdem: Wird es Dir in einem anderen Job tatsächlich besser gehen?

Deswegen habe ich im heutigen Naturimpuls 6 generelle Tipps für Dich, wie Du auch auf der Arbeit Deine Introvertiertheit berücksichtigen kannst.

1) Deine Introvertiertheit auch auf der Arbeit leben

Vielleicht denkst Du jetzt, dass das ja auch gar nicht anders geht. Wenn Du so denkst, dann ist das fantastisch! Denn du hast absolut Recht! Es geht gar nicht anders.

Doch viele von uns Introvertierte haben in ihrem Leben schlechte Erfahrungen gemacht, wenn sie ihren introvertierten Weg gegangen sind und diesen offen gezeigt haben. Deswegen versuchen viele sich anzupassen und zu extrovertieren. Damit sie zwischen den vielen lauten Kollegen nicht auffallen, damit sie nicht ständig übersehen werden, damit auch ihre Leistungen gewürdigt werden.

Und kurzfristig mag das auch funktionieren. Aber langfristig halt nicht. Denn Du bist nun mal nicht extrovertiert, sondern einer der stillen und leisen Menschen. Kurzfristig magst Du Dir durch die Anpassung und das Extrovertieren Erleichterung verschaffen. Aber schnell wirst Du merken, dass Du das nicht lange durchhältst.

Denn wir Introvertierte haben nun mal von Grund auf einen geringeren Energielevel als Extrovertierte. Und wir sollten lernen damit hauszuhalten. Und das Extrovertieren kostet uns enorm viel Energie. Außerdem kannst Du Deine Introvertiertheit nicht ablegen, egal was du versuchst. Warum das so ist, kannst Du in diesem Naturimpuls nachlesen: Deine Introvertiertheit ablegen – geht das? Das einzige was Du tun kannst, ist, mit Deiner Introvertiertheit zu leben und nicht gegen sie.

Und warum solltest Du Dich auch extrovertieren? Denn Du wirst auf Dauer auch nicht glücklich dabei werden, wenn Du dich ständig verbiegst und Dich Deinem lauten Umfeld anpasst. Sei es Dir stattdessen wert, Dich so zu zeigen und zu geben, wie Du bist: Ein leiser Mensch.

Und warum solltest Du Dich auch extrovertieren? Denn Du wirst auf Dauer auch nicht glücklich dabei werden, wenn Du dich ständig verbiegst und Dich Deinem lauten Umfeld anpasst. Sei es Dir stattdessen wert, Dich so zu zeigen und zu geben, wie Du bist: Ein leiser Mensch.

2) Erlaube Dir auch auf der Arbeit Rückzüge und Auszeiten

Wie bereits in mehreren Naturimpulsen geschrieben, haben wir Introvertierte ein sehr sensibles Nervensystem. Vor allem soziale Interaktionen laugen uns Introvertierte aus und lassen unser Nervensystem häufig „durchbrennen“. Das ist dann eine klassische Überstimulation. Aber auch Zeitdruck, schnelle Entscheidungen, Situationen, in denen eine rasche Antwort oder ein rasches Handeln erforderlich ist, erschöpfen uns rasch.

Deswegen ist es erforderlich, dass Du auch auf der Arbeit Rückzüge und Auszeiten nimmst. Diese Zeit mit Dir allein ist absolut notwendig, damit Du Deine Akkus wieder aufladen kannst und zu neuer Energie kommst.

Denk jetzt bitte nicht gleich „Die hat gut reden, wie soll ich denn das bei meiner Arbeitsstelle einrichten können?“

Klar, kenne ich Deinen Arbeitsplatz und auch Deine Arbeitssituation nicht. Jedoch weiß ich noch genau, wie es mir in meiner damaligen Angestelltenposition erging: Ich war so davon überzeugt, dass ich mir keine kurze Pause zwischendurch erlauben könnte. Und wenn ich eine gemacht habe, dann immer mit Kollegen zusammen. Da man das ja so macht…

Das habe ich solange durchgehalten, bis es mir mal richtig schlecht ging. Da bin ich kurzerhand zum Arzt und habe mich krankschreiben lassen. Zum Glück war es kein BurnOut, sondern „nur“ eine leichte Erschöpfung. Doch das hat mir bereits gereicht und mich zum Nachdenken gezwungen. Und ich habe eingesehen, dass ich mich die ganze Zeit angepasst und mein stilles Wesen verleugnet habe.

Anschließend habe ich meinen Arbeitsrhythmus angepasst: Mehr in meinem Tempo gearbeitet, mich nicht mehr drängen und drängeln lassen bei Antworten, Entscheidungen etc. Und ich habe mir Pausen alleine für mich gegönnt. Länge und kürzere – und diese notfalls auch auf der Toilette, Hauptsache ich hatte meine Ruhe!

Auch wenn es manchmal ganz schön herausfordernd war, habe ich mir diese Auszeiten und Rückzüge erlaubt und gegönnt. Und ich habe gemerkt, dass es mir von mal zu mal leichter fiel, diese auch einzuhalten. Denn ich merkte, dass es mir unendlich gut bekam, immer mal wieder zwischendurch einen Abstand zur Arbeit und zu den lauten Kollegen zu bekommen.

Ich bin daher davon überzeugt, dass es auch für Dich Möglichkeinen gibt, dir diese Auszeiten und Rückzüge einzurichten.

3) Klar und deutlich zu Deiner Introvertiertheit stehen

Auch das kann natürlich sehr herausfordernd werden. Vor allem da viele Menschen ein völlig falsches Bild von dem Begriff der „Introvertiertheit“ haben. Oft wird es mit Schüchternheit oder Menschenfeindlichkeit gleichgesetzt. Doch das sind völlig verschiedene Sachen. Sollte Dich das näher interessieren, so kannst Du diese beiden Beiträge hier nachlesen: Warum Introvertiertheit nichts mit Schüchternheit zu tun hat, Mögen Introvertierte keine Menschen?.

Deswegen würde ich Dir raten, den Begriff der „Introvertiertheit“ erst mal nicht zu erwähnen, sondern es stattdessen zu umschreiben.

So kannst Du zum Beispiel sagen, dass

  • Du eher ein ruhiger/stiller Charakter bist
  • Du nicht so gerne redest und stattdessen lieber schriftlich kommunizierst
  • Du Dir bei Fragen und Entscheidungen immer etwas Zeit lässt, damit Du gründlich über alles nachdenken kannst und so auch eine fundierte Antwort geben bzw. eine gut überlegte Entscheidung treffen kannst
  • Du nicht so der Gruppenmensch bist; du zwar gerne zum Beispiel auf die Weihnachtsfeier oder das Sommerfest kommst, jedoch nur kurz bleiben wirst oder Du nur an einigen Tagen mit zum gemeinsamen Mittagessen gehen wirst, da Du Dich an den anderen Tagen lieber zu einem Spaziergang aufmachen möchtest, um Dir die Beine zu vertret

Außerdem kannst Du bei solchen Gelegenheiten ebenfalls klar und deutlich sagen, wie Du am liebsten arbeitest und was Du brauchst, um gute Arbeit zu leisten, also zum Beispiel Ungestörtheit, um Dich auf eine Aufgabe konzentrieren zu können.

4) Mach Dir immer wieder klar, dass Deine Introvertiertheit eine Gabe ist

Einige der vorher angesprochenen Tipps können natürlich ganz schön herausfordernd für Dich sein. Mach Dir deswegen zwischendurch immer wieder klar, dass Du ok. bist, so wie Du bist (mit Deiner Introvertiertheit). Und das die Introvertiertheit eine Gabe und ein Geschenk ist, die sehr viel an Stärken und Talenten mit sich bringt.

Sollte Dir jetzt keine einzige Stärke und kein einziges Talent einfallen, kannst Du gerne hier nachlesen: Typische Stärken und Talente von Introvertierten.

5) Bei Unstimmigkeiten und Missverständnissen diese sofort ansprechen

Sollte es in einigen Arbeitsbereich zu Unstimmigkeiten und / oder Missverständnissen mit Kollegen oder dem Chef kommen, sprich das am besten gleich an. Suche also von Dir aus aktiv das Gespräch. Bereite Dich jedoch gut auf dieses Gespräch vor, da Dir das eine sehr viel größere Sicherheit bei diesem Gespräch geben wird.

Und bedenke immer folgendes: Dein Gegenüber weiß ganz häufig nichts über Introvertiertheit und Extrovertiertheit und wie sich diese beiden Ausprägungen bemerkbar machen und äußern. In den allermeisten Fällen wurde über den Unterschied zwischen den Menschen noch nicht mal nachgedacht. Du bist die- oder derjenige, die/der sich darüber umfassend informiert. Daher ist es Deine Verantwortung dir selbst gegenüber Dein Gegenüber aufzuklären, wodurch dieses Missverständnis oder diese Unstimmigkeit entstanden ist.

Und wenn Du Dich richtig gut vorbereitet hast, kannst Du Deinem Gegenüber auch bereits Lösungsvorschläge anbieten, um einer zukünftigen Unstimmigkeit oder eines zukünftigen Missverständnis vorzubeugen.

6) Und wenn nun alles nichts hilft…

Klar, manchmal hast Du es auch mit einem Arbeitgeber zu tun, der Deine Stärken und Talente als introvertierte Persönlichkeit absolut nicht sehen will. Und von Dir verlangt, Du sollst „gefälligst so arbeiten, wie die anderen auch“. Schließlich könne „das doch nicht so schwer sein“!

Dieser Arbeitgeber bzw. der davorstehende Chef hat leider keinerlei psychologische Grundkenntnisse (von Kenntnissen in Menschenführung ganz zu schweigen…) und möchte in den allermeisten Fällen sich auch nicht tiefer in die Denkweise, dass jeder Mensch nun mal anders ist und spezielle Bedürfnisse hat, einlassen. Bei so jemanden kannst Du nun reden und ein klärendes Gespräch nach dem anderen suchen, wie Du willst, es wird leider nicht viel helfen.

Das Beste, was Du in so einem Fall tun kannst, ist tatsächlich, wenn es möglich ist, Dich in eine andere Abteilung versetzen zu lassen. Am besten solltest Du Dich auch vorher umhören, in welcher Abteilung Deine introvertierten Fähigkeiten gewertschätzt werden.

Falls das nicht möglich ist, solltest Du Dir wirklich überlegen, was es Dir bringt, weiter an dieser Arbeitsstelle festzuhalten. Denn es wird immer wieder zu solchen Situationen kommen, denen Du Dich jetzt gegenübersiehst. Und auch diese entziehen Dir enorm viel Energie, so dass es passieren kann, dass Du eventuell selbst an einem Wochenende, welches du ganz nach Introvertierten-Art verbracht hast, Deine Akkus nicht mehr zu 100 Prozent aufladen kannst.

Natürlich möchte ich Dir jetzt auch nicht dazu anraten, von jetzt auf gleich zu kündigen. Was Du aber machen könntest ist zum einen, Dir zu überlegen, ob Du es Dir wirklich vorstellen kannst, weitere Jahre oder gar Jahrzehnte bei diesem Arbeitgeber zu verweilen. Dann kannst Du überlegen, wo Du Dich zum Beispiel für eine andere Arbeit bewerben oder vorstellen könntest und dieses zu recherchieren. Oder Du könntest generell überlegen, in welchem Bereich Du gerne arbeiten würdest. Vielleicht kannst Du als Quereinsteiger auch in einem völlig anderen Bereich anfangen, welcher sich vielleicht auch besser mit Deiner Introvertiertheit deckt? Oder Du hast schon lange die Idee Dich selbstständig zu machen? Dann kannst Du auch dazu recherchieren, was Du alles brauchst, wie Du es anstellen könntest etc.

Letzteres habe ich übrigens gemacht, als ich gemerkt habe, dass von Seiten meines ehemaligen Arbeitgebers sich die Arbeitssituation von Jahr zu Jahr verschlimmerte…

Sei es Dir also selber wert, nicht nur des Geldes wegen weiter einer Arbeit nachzugehen, bei der Du in Deiner leisen Persönlichkeit nicht gewertschätzt, sondern im Gegenteil niedergemacht wirst! Das ist es in den meisten Fällen nicht wert. Denn sowohl Deine körperliche Gesundheit als auch Deine geistige und seelische Gesundheit werden früher oder später darunter leiden.

Nun wünsche ich Dir viele entspannte Natur-Momente mit Deiner Introvertiertheit auf der Arbeit,
Heidemarie

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.